HOMECONTACTSITE MAPIMPRINT
CeNS Center for NanoScience LMU Ludwig-Maximilians-Universität München
CeNS HomepageLMU Homepage
Home  >  News  >  Archive

Thursday, 27 May, 2004

Ein Ruck muss durch die Decke gehen

Mit einem alten Trick verbessert ein Jungunternehmer die Mikroskopie. Doch Banken und Bürokraten fehlt der Durchblick

Zunächst ist es ein bisschen wie beim Juwelier. Dies ist unser Kernprodukt, sagt Dirk Haft stolz, stellt ein feines Holzkästlein auf den Tisch, öffnet es mit Bedacht und nun ja. Da sind Metallwürfel drin. Wozu sind die gut? Stellen Sie sich vor, Sie schlagen einen Golfball von München nach Paris, und dort muss er ins Loch treffen. Und während noch die Vorstellungskraft aufs äußerste gefordert ist, fügt Haft hinzu: Und das bei Tiefsttemperatur. Oder in extrem hohen Magnetfeldern. Oder im Hochvakuum.

Was der junge Mann da erzählt, ist nicht übertrieben obwohl: Die Würfel (technisch: Positioniergeräte) seiner Firma attocube bewegen sich über Millimeterdistanzen, das aber mit atomarer Präzision. Ihr Grundprinzip ist das von Omas Tischdecke. Wer die Decke schnell genug wegzieht, gefährdet das darauf stehende Kaffeeservice nicht; zieht man langsam, macht es klirr (Warnung an die Leser: Bitte nicht ausprobieren, es braucht Übung). Dieser Unterschied, von Ingenieuren stick/slip- Verhalten genannt, erlaubt die Konstruktion neuartiger Antriebe: Die langsame Bewegung eines glatten Schlittens aus Titan führt das auf ihm liegende Titanstück mit; zieht er sich danach schnell zurück, bleibt das geführte Objekt an seinem Platz. So geht es hin und her, der aufliegende Titanblock kommt in Nanometer-Schrittchen voran, bis er sich exakt am vorgegebenen Ort befindet. Allein: Wozu ist das gut? ...

 

Article: Die Zeit 23/2004